Sie lesen zwischenmenschlich sehr viel gründlicher zwischen den Zeilen als andere. Entsprechend ist die Ruhebedürftigkeit von HSPs ausgeprägter, denn schon der “normale Lehrer-Alltag” wird empfunden wie die Rush-Hour in der Londoner Underground.
Ein Schlüsselwort dabei ist die „Verarbeitungstiefe“. Informationen und Reize werden in Quantität und Qualität stärker wahrgenommen und intensiver verarbeitet. Wärst du ein Computer, so würde man davon sprechen, dass dein Arbeitsspeicher und deine Festplatte permanent auf höchster Auslastungsstufe rotieren. Die Folge: Der Rechner läuft heiß und wird langsamer.
Für mich war es einerseits eine große Erkenntnis, dass mein “So-sein-wie-ich-bin” einem wissenschaftlich erforschten Muster entspricht, gleichzeitig erklärte das für mich auch, warum ich an so vielen Stellen im Schulalltag deutlich mehr Stress empfand als die meisten (wohl eher dickhäutigen) Kollegen.
Tatsächlich ließ sich viel meiner Belastung im Schulalltag auf meine besondere Sensitivität gegenüber äußeren Reizen zurückführen. Dabei war ich selbst nach außen hin ein ziemlich toughes Modell von Lehrerin, der man dies wohl kaum anmerkte. Ich hatte meine Klassen im Griff, war stets gut organisiert und behielt (meistens) auch in stressigen Situationen nach außen hin die Ruhe.
Doch die Lautstärke und Wuseligkeit in der Schule, die ständige Reizüberflutung, das war nur eine Facette. Besonders schwer zu tragen hatte ich an meiner ausgeprägten Fähigkeit, die Emotionen und Bedürfnisse meiner Schüler besonders gut wahrnehmen zu können.